Unsere Tour durch das alte Sappada endet im Weiler Cretta mit einem Besuch in einem Blockhaus aus dem 19. Jahrhundert, dem Bauernhausmuseum “Casa Museo della Civiltà Contadina”.
Bevor Sie den Weg zwischen den Häusern hinauf zum Museum nehmen, sollten Sie sich die Dreifaltigkeitskapelle von 1727 ansehen, eine der ältesten des Dorfes.
Der Komplex, der als Bauernhausmuseum genutzt wird, wurde 1990 von der Gemeinde Sappada erworben und anschließend gemäß dem Denkmalschutz restauriert.
Das Puicher s’Kottlars-Haus / schtòl stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und war bis in die 1980er Jahre bewohnt. Die typisch bäuerliche Architektur und die Vielfalt an Bergkräutern im Gemüsegarten neben dem Gebäude lassen einen das einstige Alltagsleben der Familien von Sappada nachempfinden und ihre Wohnorte, häuslichen Gewohnheiten und ihren Lebensstil hautnah erleben.
Das Bauernhausmuseum ist ein typisches Beispiel für ein Blockhaus, ein Gebäude mit waagerecht übereinanderliegenden Balken und verzahnten Ecken, mit einem angebauten Stall-Heuspeicher.
Von außen ist das gemauerte Erdgeschoss (tschockl) zu sehen, auf dem die Balken ruhen.
Der Eingang erfolgt durch die Seitentür (tour) auf der Westseite. Beim Betreten geht man durch den Flur (labe), der in Ost-West-Richtung verläuft. Am Ende des Ganges befand sich eine zweite Tür, durch die man in den Stall gelangte und die zur Belüftung des Ofens diente. In einigen größeren oder Mehrfamilienhäusern liegt der Flur stattdessen in der Mitte, so dass die vier Zimmer auf ihn ausgerichtet sind.
Unser Besuch im Bauernhausmuseum beginnt mit der Küche (kuchl). Sie zeichnet sich durch eine alte Feuerstelle (offns vair) auf einem gemauerten Sockel aus, auf dem ein offenes Feuer ohne Haube oder Schornstein brannte. Der Raum wurde auch zum Räuchern von Lebensmitteln genutzt, z. B. von Speck und Würsten aus der Schweineschlachtung oder von Milchprodukten wie Schotte, die an den Deckenstangen aufgehängt wurden.
Die spezielle Praxis des Räucherns, die in den vergangenen Jahrhunderten im Alpenraum üblich war, wurde oft mit einer Salzlake kombiniert. Das dabei verwendete Salz war nicht nur sehr kostbar, sondern auch unverzichtbar beim Kochen, so dass es häufig aus den Tälern jenseits der Alpen eingeschmuggelt wurde.
Auf dem Boden befindet sich eine Falltür zum Keller (kèlder), in dem Lebensmittel und landwirtschaftliche Produkte gelagert wurden.
Ein Stück weiter befindet sich die Stube (kòschtibe), der meistgenutzte Raum im Haus, denn hier war es in den langen Wintermonaten warm und gemütlich. In jeder kòschtibe hängen Familienfotos an den Wänden und steht ein Kachelofen (kòchlouvn) mit einem kleinen, warmen, hölzernen Stockbett. Der Ofen wurde von der Ofenöffnung im Flur aus beheizt.
An der Nordseite des Flurs befindet sich ein erstes Schlafzimmer, das ebenfalls mit einem unabhängigen Ofen ausgestattet ist. In anderen Häusern wurden die beiden Räume im Erdgeschoss an der Nordseite oft als Speisekammer bzw. Keller (kèlderle) genutzt.
Wenn man die steile Treppe im Flur hinaufsteigt, gelangt man in das Obergeschoss, wo sich die Schlafzimmer befinden: ein größeres (kommer) und ein kleines Zimmer (kemmerle), das hier als Werkstatt eingerichtet ist. Das Besondere an den Zimmern ist das Mobiliar: Die Betten sind im Verhältnis zur Statur der Menschen eher kurz, die Decken sind in der Regel mit mehr oder weniger kunstvoll geschnitzten Holztafeln verkleidet, je nachdem, wie reich die Familie war.
Stets präsent sind Heiligenbilder, Ikonen und Kruzifixe, aber auch Weihwasserkessel und religiöse Zeichen wie das Christogramm J H S (Jesus Hominum Salvator).
Die Räume wurden oft erneuert, so wurden z. B. die Holzvertäfelungen durch weiß oder farbig gestrichene Wände ersetzt.
An den drei Seiten des zweiten Stocks, im Osten, Süden und Westen, verläuft ein Balkon (solder), auf dem sich an der Ostseite ein kleines Plumpsklo (gònk) befindet.
Der Stall (schtòl) und der Heuboden (dille) für die Lagerung von Heu sind an der Nordseite an das Gebäude angebaut und nicht als eigenständiges Gebäude neben dem Wohnhaus konzipiert. Die geringe Größe des Stalls, in dem zwei Stück Vieh untergebracht waren, entsprach den Bedürfnissen der Familie.
Das Satteldach besteht aus den ursprünglichen Lärchenholzschindeln, rechteckigen Brettern, die vom unteren Ende bis zum Firstbalken übereinander angeordnet sind. Der Dachboden (kommerdille) wurde normalerweise als Abstellraum genutzt.
Die Dachrinnen sind ebenfalls aus Holz.
